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Predigt von Richard Baus zum 3. Fastensonntag

Lesung: Ex 3,1-8a.13-15
Evangelium: Lk 13,1-9     

 
Liebe Schwestern und Brüder,

dieser 3. Fastensonntag konfrontiert uns mit einem nicht gerade erbaulichen Evangelium.
Da ist von Menschen die Rede, die äußerst tragisch ums Leben gekommen sind: Die einen beim Einsturz eines Turmes - und die anderen sogar, als sie gerade im Tempel Opfer dargebracht haben. Und der einzige Kommentar, den Jesus dazu gibt, lautet: Meint nicht, diese Menschen seien schlechter gewesen als ihr. Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt.

Warum ist Jesus so hart zu den Leuten, die da extra zu ihm gekommen sind – auf der Suche nach einer Antwort?
Ihr werdet genauso umkommen wie sie, wenn ihr euch nicht bekehrt…
Will Jesus ihnen einheizen, Druck machen, damit sie sich besinnen, ihr Leben ändern und sich bekehren?

Nun, wer Jesus und seine Botschaft auch nur ein bisschen kennt, der weiß, dass das nicht die richtige Antwort sein kann. Jesus ist der letzte, der Menschen Angst machen würde; er ist der letzte, der Menschen, die schon schwer genug an ihrem Leben zu tragen haben, auch noch neue Lasten aufbürden würde.

Nein,  Jesus wendet sich mit diesen harten Worten gegen die damals weit verbreitete Meinung, dass Unglück, Leid oder solch ein jäher Tod, wie da berichtet wurde, die direkte Strafe Gottes für eine konkrete begangene Schuld ist. 

Er wendet sich dagegen, dass man jemand, dem ein Unglück zustößt, auf den Kopf zusagt: Das ist die Strafe für deine Sünden. Du bist selbst Schuld.

Und er will wohl all denen, denen es gut geht, sagen, sie sollen nur nicht meinen, sie seien deshalb schon besser als die anderen.
 

Liebe Schwestern und Brüder,
nein, mit diesen harten Worten wendet sich Jesus gegen ein falsches Gottesbild:
gegen die Vorstellung eines Gottes, der – wie ein himmlischer Schnellrichter – offensichtlich nichts anderes zu tun hat als Schlag auf Schlag alles, was geschieht, zu belohnen und zu strafen - je nach dem, was ein Mensch da gerade getan hat.

Genau das ist falsch, so will Jesus sagen.
Gott ist nicht interessiert am Herumstochern in der Vergangenheit, an dem, was war, was wir wieder falsch gemacht haben und wo uns wieder was schief gelaufen ist, überhaupt nicht;
nein, Gott ist interessiert an der Zukunft, an dem, was vor uns liegt, an dem, was wir noch besser machen können in unserem Leben, wenn wir auf ihn hören.

Wenn Sie sich an die 1. Lesung erinnern, da konnten Sie genau dieses andere Gottesbild herauslesen: Das Bild eines Retter-Gottes. Das Bild eines Gottes, der nicht straft, sondern rettet; der befreien will aus all den Situationen, die den Menschen so niederdrücken und gefangen nehmen.

Ein Gott, der das Elend sieht und die Klage hört – und der dann nicht sagt: Siehst du, selbst Schuld, geschieht dir recht! – sondern der das verändern will, der herausführen und retten will. 

Ein Gott, der auf diesem Weg mit den Menschen aber nicht dauernd sagt: Du musst…! Du sollst…! Und du hast zu tun!, sondern der sagt:
Ich bin da! Ich bin bei Dir! Ich nehme Dich bei der Hand und helfe Dir!

Das ist wohl das Gottes-Bild, mit dem Jesus großgeworden ist; das Jesus gelernt hat zu Hause von seinem Vater, in seiner Schule, im Religionsunterricht und in der Jugendarbeit in seiner Heimatsynagoge – und an diesem Bild hält er fest.

Ein Gott, der nicht den Tod des Sünders will, sondern der will, dass wir Menschen leben, um uns verändern und bekehren zu können.

Und da Jesus die Menschen wohl sehr gut kennt, da er weiß, dass es gar nicht so leicht ist, umzukehren und neu anzufangen, – da erzählt er uns noch diese wunderschöne kleine Geschichte vom Feigenbaum;
eine ermutigende Geschichte, die uns noch einmal ein Bild, sein Gottes-Bild aufzeigt:
das Bild eines unendlich geduldigen Weingärtners,
einer, der eigentlich nie aufgibt, sondern immer noch Hoffnung hat – und der selbst sogar noch mithilft, damit dieser Baum, der anscheinend zu nichts taugt, vielleicht doch noch Frucht bringt. 

„Noch einmal“ so könnte man über diese Geschichte schreiben:
Noch einmal düngen, noch einmal aufgraben, noch einmal Geduld haben - vielleicht wird es ja doch noch was.

Und wo jeder Mensch gesagt hätte: Das wird nichts mehr, umhauen, rausreißen – da kann Gott warten, da ist Gott geduldig. Wenn nicht heute, dann vielleicht  doch morgen – oder erst in einem Jahr.

Ist das nicht wunderschön und tröstlich…!?

Ein Gott, der langmütig ist, geduldig und reich an Erbarmen, der nicht richten will, sondern retten. 

So beschreibt ihn uns die Bibel – und so predigt ihn Jesus.

Und so wie dieser Gott handelt, so behandelt auch Jesus uns Menschen – weil er bei diesem Gott in die Schule gegangen ist – und weil er Sohn dieses Gottes ist.

  
Liebe Schwestern und Brüder,
warum feiern Sie heute morgen diesen Gottesdienst mit? 
Um diesen Gott zu besänftigen, um ihn irgendwie “einzuwickeln”, damit er am Ende nicht so hart mit Ihnen verfährt?
Oder um ihn zu loben, ihm zu danken dafür, dass er so viel Geduld mit Ihnen hat? 

Ich glaube, die Antwort liegt auf der Hand. Wir feiern, um zu danken – zu danken dafür, dass er uns immer neu einlädt, uns zu bekehren, zu ändern – dass er uns immer wieder einlädt, nicht nur auf die Vergangenheit zu schauen, sondern auch auf die Zukunft, die er mit uns gestalten will, damit wir das Leben haben, Leben in Fülle.

Denn das ist Gottes-Dienst – Gottes Dienst an uns Menschen.

Amen