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Ein Herz, das die ganze Welt umspannte

Unsere Regionen

Mutter M. Rosa wollte seit der Gründung der Gemeinschaft ihre Schwestern in der Sorge um die Ärmsten der Armen auch über die Grenzen Deutschlands hinaus senden. Diese Pläne wurden vereitelt durch ihre 28 Jahre lange Zurücksetzung in der eigenen Gemeinschaft. Da sie von 1878 bis zu ihrem Tod 1906 praktisch nichts mehr zu entscheiden hatte, konnte ihr Wunsch erst im 20. Jahrhundert Wirklichkeit werden, mit der Entsendung der ersten Schwestern in die USA im Jahre 1923.

Unsere Region USA

Die ersten zwölf Schwestern gingen 1923 in die USA. Sie folgten einer Einladung von Erzbischof Dowling, der sie bat, die hauswirtschaftliche Versorgung von Priestern und Schülern in Nazareth Hall in St. Paul/Minnesota zu übernehmen. 1936 baten betroffene Bürger die Schwestern, Krankenpflegedienste in ihrer Gemeinde zu übernehmen. Sie errichteten daraufhin das Marienheim in St. Paul/Minnesota. Auch in anderen Städten wandten sie sich den Kranken zu und eröffneten weitere Krankenhäuser: so das St.-Franziskus-Krankenhaus in Shakopee/Minesota und das St.-Josephs-Krankenhaus und -heim in Arcadia/Wisconsin.

1944 erhielten die Schwestern in den USA vom Mutterhaus in Waldbreitbach die Erlaubnis ein eigenes Noviziat einzurichten. In der Folgezeit schlossen sich amerikanische Frauen den Franziskanerinnen an, die den Armen und Kranken helfen wollten. Die Arbeit in Nazareth Hall gaben die Schwestern Ende der 60er Jahre auf. Ihren Schwerpunkt legten sie auf die Krankenpflege. Zahlreiche Veränderungen im Gesundheitswesen führten jedoch dazu, dass sie sich Ende der 80er Jahre von ihren Institutionen trennten. Jede Schwester erhielt die Möglichkeit, einen Dienst zu wählen, zu dem sie sich berufen fühlte. Seither sind sie in den unterschiedlichsten Bereichen tätig: In der Seelsorge, in der Kinderbetreuung, in der sozialen Arbeit. Einige Schwestern kümmern sich um Einwanderer und Asylanten. Sie nutzen dabei ihre eigenen Erfahrungen als Einwanderinnen und eröffneten zwei Einrichtungen: Francis Basket und Clare's Closet, in denen Einwanderer - auch illegale - Unterstützung finden, bis ihre Papiere in Ordnung sind, sie die neue Sprache gelernt haben und in der Lage sind ein eigenständiges Leben zu führen. 

Dreimal wöchentlich treffen sich gläubige Christen im Regional Center der Schwestern und beten mit kranken Menschen um Heilung. Sie verbringen den Tag im Gebet mit denen, die in Not sind. Die Schwestern leisten so viel ehrenamtliche Arbeit wie möglich. Selbst eine neunzigjährige Schwester hilft noch tatkräftig mit bei der Versorgung von Obdachlosen. Die Schwestern sehen ihren Dienst in der Fürsorge für andere Menschen und in der Erfüllung ihrer Mission: ”Wir sind berufen, das Evangelium zu leben, schlicht und einfach unter den Menschen” im Einklang mit der Mission von Mutter Rosa, einander in Gemeinschaft dienend und offen für Gottes Herausforderung zu jeder Zeit und an jedem Ort das menschliche Leid aktiv zu lindern.

 

Unsere Region Niederlande

1931 wurden die Schwestern in die Niederlande gerufen. Die Anfrage kam der damaligen Ordensleitung, angesichts der politischen Situation im Deutschen Reich, sehr entgegen. Zudem waren die Erfahrungen aus der Zeit des Kulturkampfes noch in guter Erinnerung. Das politisch neutrale Nachbarland bot somit eine Zufluchtsstätte. So entstand die erste niederländische Niederlassung in Grave, Provinz Brabant im Rustoord (Damenstift) St. Elisabeth. Unter harten Bedingungen setzten sich die ersten deutschen Schwestern für alte, kranke und arme Menschen ein und nahmen sich vor allem der verwaisten oder sozial schwachen Kinder und Jugendlichen an. Die Anfänge in den Niederlanden waren beschwerlich: Zu der anfänglich großen materiellen Armut bildeten die fremde Kultur und Sprache oft große Barrieren. In verschiedenen Provinzen der Niederlande gründeten sie zwölf Niederlassungen. Sie sorgten für Arme, arbeiteten als Kranken- und Altenpflegerinnen in der Ambulanz, im Krankenhaus, in Altenheimen, als Erzieherinnen in Waisenhäusern, Kindergärten und in einer Einrichtung für behinderte und blinde Kinder und Jugendliche sowie als Lehrerinnen in Grundschulen.

Mehr als 75 Schwestern aus den Niederlanden und Deutschland lebten und wirkten bis jetzt in der Niederländischen Region. Das Durchschnittsalter der Ordensleute ist auch in den Niederlanden hoch. Deshalb haben sich die Schwestern der Niederländischen Region in den letzten zwanzig Jahren nach und nach von ihren Einrichtungen getrennt. 2003 wurde als letztes das Regionalhaus veräußert. Die verbleibenden Schwestern leben heute in Ordensaltenheimen in den Provinzen Gelderland und Brabant und sehen ihren Auftrag im Gebet, im Vertiefen und Reifen ihrer Beziehung zu Gott, im gütigen, wohlwollenden Umgang mit ihrer Umgebung, in den kleinen Diensten für Menschen ihres Umfeldes, im Unterstützen guter Werke und im Annehmen ihrer Altersbeschwerden und Krankheiten. Dabei orientieren sie sich an Mutter Rosas Aussage: ”Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu kommen.”

 

Unsere Region Brasilien

Die Werler Franziskaner suchten 1956 Schwestern für ihre Arbeit in Bacabal, im Bundesstaat Maranhao in Brasilien. Der Erzbischof von Sao Luis, Dom Madeiros, unterstützte in einem Brief an unsere damalige Generaloberin, Mutter Edmunda, die Bitte der Franziskaner. So wurden am 6. Januar 1958 die ersten sechs Schwestern vom Mutterhaus Waldbreitbach in die Mission entsandt. Bildung und Ausbildung, Gesundheitsfürsorge, Sozialarbeit und pastorale Aufgaben waren die Eckpfeiler ihres Einsatzes. Heute orientiert sich unser Missionsauftrag an den Entscheidungen der Lateinamerikanischen Kirche, die sich vor allem für die Armen einsetzt. Mutter Rosa hat den Ärmsten der Armen gedient und dies ist für uns Ordensfrauen in Brasilien ein Auftrag, dem wir nicht ausweichen dürfen. Wir wollen solidarisch sein mit den Armen. Denn gerade in Brasilien ist die soziale Ungleichheit das Resultat von ungerechten Strukturen und erreicht unannehmbare Ausmaße.

Die Schwestern arbeiten in den Diözesen, Pfarreien und Gemeinden, in denen sie leben und in der brasilianischen Ordenskonferenz mit. So sind einige unserer Schwestern in der Jugend- und Berufungspastoral, in der Katechese (Religionsunterricht), Bildungsarbeit und in der persönlichen Begleitung von Menschen tätig. Andere setzen sich für alternative Gesundheitspflege und Kindergesundheitspflege ein. Sie helfen der armen Bevölkerung durch Naturheilpflanzen und bieten Ernährungsberatung an, in der sie über natürliche, vollwertige Nahrungsmittel informieren. Durch Hausbesuche bei Familien, Kranken, Einsamen und Bedürftigen wollen sie Hoffnung bringen. Einige unserer Schwestern sehen ihren Beitrag für eine menschenwürdigere Zukunft der ausgebeuteten Bevölkerung darin, dass sie in der Erziehung und Ausbildung von Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern arbeiten, so zum Beispiel in unseren zwei Projekten ”Madre Rosa” und ”Sitio Reviver”. 

Im Projekt ”Madre Rosa”, werden 300 Kinder aus den Armenvierteln von Bacabal und Sao Luis betreut und ausgebildet. Sie haben so die Aussicht auf ein menschenwürdiges Leben und eine bessere Zukunft. Im Projekt ”Sitio Reviver” begleiten die Schwestern junge drogen- und alkoholabhängige Frauen, einen Weg aus ihrer Sucht zu finden und sich wieder neu in ihre Familie und die Gesellschaft zu integrieren.